Musikgarten für Babys


Die Anlagen für das Hören werden bereits in der 24. Schwangerschaftswoche entwickelt. Etwa zwei Monate vor der Geburt kann der Fötus hören – zunächst Mamas Herzschlag, die Geräusche im Bauch und das Rauschen des Blutkreislaufes. Später hört es auch die gedämpften Geräusche aus der Umgebung. So kennt das Baby dann schon vor der Geburt die Stimme seiner Mutter und die der engsten Familienmitglieder. Selbst die Rhythmen und Klangfarben verschiedener Sprachen kann es zu dieser Zeit bereits erkennen.

Musikgarten

Musikgarten – Vorteile für die Gesamtentwicklung

Auf diese natürliche Entwicklung nehmen die zahlreichen Musikkurse und Musikgärten, die bereits im Babyalter angeboten werden, Bezug. Studien haben längst bewiesen, dass sich Musik im Kindesalter vor allem in folgenden Bereichen positiv auf die Entwicklung auswirkt:

  • Hördifferenzierung
  • Sprache
  • motorische Koordinationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Sozialverhalten

„Mozart-Effekt“

Experten gehen davon aus, dass Musik tatsächlich die Gehirnaktivität erhöht und verbessert. So erregte vor einigen Jahren der Begriff „Mozart-Effekt“ große Aufmerksamkeit in der Presse. Eine amerikanische Studie beschäftigte sich mit Musikern und verglich deren geistigen Fähigkeiten mit denen von Menschen aus anderen Berufsfeldern. Sie zeigte, dass Musiker insgesamt aufmerksamer sind und besser lernen können. Ihr logisches Denken ist vergleichsweise besser ausgebildet. Selbst Emotionen wie Glück sollen intensiver erlebt werden.

Bei Babys werden durch Musik vor allem die Sprache sowie die Hördifferenzierung gefördert. Beim Singen konzentrieren sich Babys bereits auf Rhythmus und Wortklang. Da die Kursleiter in der Regel eine dementsprechende Ausbildung haben (zum Beispiel Musikpädagogik oder Gesangsstudium), kennen sie die Feinheiten, auf die es ankommt. Sie wissen, wie man die Silbenbildung und –betonung didaktisch vermittelt, ohne dabei die spielerische Komponente aus den Augen zu verlieren.

Babys lautieren

Durch das körperlich-sinnliche Erleben der Musik wird auch die Sprache gefördert. Bereits ab dem dritten Lebensmonat beschäftigt sich ein Säugling mit seiner eigenen Stimme: Er lautiert. Beim Singen erhöhen die Eltern meist ihre Stimme und melodisieren die Sprechsilben. So bekommen die Babys ein Gefühl für den Rhythmus ihrer Muttersprache. Häufig beobachten die Teilnehmer, dass ihre Kinder bei bestimmten Liedern besonders viel lautieren.
Auch das erste Ausprobieren eines Instrumentes steht auf dem „Stundenplan“. Besonders beliebt sind Rasseln und Trommeln. Zunächst zeigt der Kursleiter wie ein Instrument funktioniert – anschließend testen es die Babys selbst. Dabei gibt jedes Kind individuell vor, wie weit es gehen möchte. Manche sind gleich begeistert dabei und entlocken dem Instrument diverse Geräusche, andere hingegen betrachten es lieber genau, schauen, wie eine Trommel von unten aussieht. Beides ist gern gesehen und so hat jedes Kind sein eigenes Tempo.

Kreativität durch Musikgarten

Weiterhin fördert die Musik die Kreativität eines Kindes, da sie sowohl die linke als auch die rechte Gehirnhälfte aktiviert. In vielen Musikgärten ist das Basteln eines Instrumentes Teil der Unterrichtseinheit. Das fördert gleich mehrere Sinne beim Baby. Es kann verschiedene Materialen „erspüren“ und „erlebt“ kurz darauf den Zusammenhang zwischen den verwendeten Materialen und den Geräuschen, die daraus entstehen. Das wirkt sich positiv auf die Synapsenbildung im Gehirn aus.

Auch auf das Sozialverhalten wirkt sich der Musikgarten positiv aus. Die Babys verbringen eine intensive Zeit mit ihren Eltern und fühlen sich geliebt und geborgen. Je sicherer ein Kind wird, je schneller löst es sich von seinen Eltern. So wagt es beispielsweise erste Krabbelversuche in die Kreismitte, wenn dort Instrumente ausliegen. Viele Kursleiter bringen immer nur eine bestimmte Anzahl an Instrumenten mit, so dass die Kleinen lernen, Dinge mit anderen Babys zu teilen. Das ist vor allem für Einzelkinder von Vorteil.

Von Geburt an?

Bei Babys gibt es eine Veranlagung zum Singen und zur rhythmischen Bewegung. Je früher man sie mit Musik in Berührung bringt, je nachhaltiger die Wirkung. Wichtig ist jedoch, nicht von einem Unterricht zu sprechen. Vielmehr sollen Babys spielerisch an die Musik heran geführt werden. Sie sollen ein Gefühl für Rhythmus, Melodien und das Musizieren bekommen. Leistungserwartung darf es nicht geben, im Gegenteil: In guten Musikkursen richtet sich die Leiterin stets nach den Kindern und gestaltet dementsprechend die Stunden. So verbringen die Babys die erste Zeit meist noch auf den Armen der Eltern. Erst mit wachsender Selbstsicherheit sind sie bereit, sich zu lösen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Das Musizieren steht dabei natürlich im Vordergrund, aber auch von der intensiven Zeit mit ihren Eltern profitieren die Kleinen. Sie spüren die Liebe und Geborgenheit – eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung.
Ein Kurs direkt nach der Geburt wäre jedoch übertrieben. Dein Baby muss erst in seiner neuen Familie „ankommen“. Ideal ist ein Start zwischen dem dritten und achten Lebensmonat.

Soziale Entwicklung

Auch die soziale Komponente spielt eine große Rolle. So lernen die Kinder bereits, dass sie abwarten und sich Instrumente teilen müssen: beim Begrüßungslied etwa, wenn jedes einzelne Kind mit Namen angesprochen wird oder beim Ausprobieren neuer Instrumente. Natürlich wird Rücksicht auf das Alter der Kinder genommen und keines der Babys muss „still sitzen“, dennoch lernen die Kleinen erstaunlich schnell, dass es feste Abfolgen gibt – zum Beispiel ein Lied zur Einstimmung sowie das Abschlusslied. Schon bald nehmen sie aktiv daran teil und zeigen ihre Freude durch Klatschen oder erste Laute.

Kontakt zu anderen Eltern beim Musikgarten

Auch die Eltern profitieren von solchen Kursen. In vielen Familien hat sich der Alltag eingeschlichen – hier soll die Musik wieder Einzug halten. So bringen die überwiegend weiblichen Kursleiter gerne Fingerspiele und Wiegenlieder in die Stunden mit ein, so dass die Eltern zu Hause auf ein gutes Repertoire zurück greifen können. Weiterhin haben die Eltern Kontakt zu den anderen Kursteilnehmern. Gerade frischgebackene Mütter freuen sich oft, nicht ständig zu Hause zu sein und mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Nicht selten entstehen hier sogar dauerhafte Freundschaften.

Preise

Die Angebote für Musikgärten sind breit gefächert. Oftmals werden sie von Musikschulen, Familienbildungsstätten oder Volkshochschulen angeboten. Auch Musikdozenten mieten sich häufig Räume an und gestalten Kurse. Die Preise variieren dabei natürlich je nach Angebot. In der Regel liegen sie zwischen 60 und 100 Euro bei jeweils acht bis zehn Treffen. Eine Kursstunde dauert 45 Minuten – mehr sollte es auch nicht sein, damit die Babys nicht überfordert werden.

Worauf du noch achten solltest:

Bei der Auswahl eines Kurses solltest du einige Punkte berücksichtigen. Die Anzahl der Kursteilnehmer sollte nicht zu hoch sein (maximal acht). Auch die Uhrzeit sollte in den Tagesablauf deines Babys passen. Ist es zu müde oder hungrig, wird es nur wenig Gefallen am Musikgarten zeigen.
Auch die Ausbildung der Kursleiter sollte hinterfragt werden. Wünschenswert ist ein Studium der Musikpädagogik oder eine Gesangsausbildung. Auch Erfahrungen mit Babys sollten vorhanden sein, da die Anforderungen sich von denen bei älteren Kindern doch deutlich unterscheiden.
Ein guter Kurs bietet eine Mischung aus Liedern, Instrumenten und Bewegung an. Und keine Sorge vor unbekannten Texten. Die Kursleiter teilen Zettel aus, so dass auch zu Hause problemlos alle Lieder nachgesungen werden können.





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