Windeleimer Test


Windeleimer – vor allem eine Frage des Geruchs

Nur wer schon einmal Kinder gewickelt hat, weiß: Es kann wirklich erbärmlich riechen. Bei Säuglingen ist das Problem vielleicht noch nicht so dringlich, aber spätestens beim Übergang zur Breinahrung erfährt mancher sein blaues Wunder. Deswegen ist bei der Einrichtung des Babyzimmers oder der Wickelecke nicht nur auf die Möbel zu achten, sondern unbedingt auch auf die Accessoires. Der Wickeltisch aus Echtholz, seine passende Höhe, um Rückenschmerzen vorzubeugen, die leicht erreichbaren Fächer für Windeln, Feuchttücher oder Ersatzbodies – alle Vorteile verblassen, wenn es mit dem Windeleimer Probleme gibt.

Windeleimer

Folgende Szenarien mit Wickelkindern sind denkbar:

  • 1. Du wohnst im Erdgeschoss und kannst jede Windel sofort, problemlos und ohne dein Kind aus den Augen zu lassen mit einem gezielten Wurf in die Mülltonne befördern.
  • 2. Du wohnst in einem beliebigen Obergeschoss.
  • 3. Dein Kind erfordert ständige Aufsicht. Wenn es endlich schläft, ist das Letzte, wozu du mehrmals täglich Lust hast, Windelpakete nach draußen zur Mülltonne zu bringen.
  • 4. Du bist wieder schwanger, hast zwar die Morgenübelkeit überwunden, aber es gibt eben Gerüche, bei denen sich dir jedes Mal der Magen umdreht – Im Windeleimer vor sich hin müffelnde Windeln gehören leider in diese Kategorie.
  • 5. Du hast ständig Hilfe durchdeinen Ehemann, deine Mutter, Schwester, Schwiegermutter oder eine bezahlte Kraft, die gerne auch mal stündlich zur Mülltonne laufen.

Wenn die Punkte 1. und 5. auf dich zutreffen: Herzlichen Glückwunsch! Du brauchst keinen Windeleimer. Für alle anderen: Sieh dich nach einem gut schließenden Exemplar eines Windeleimers um. Du wirst ihn lieben – und zwar unter Umständen mehrere Jahre lang.

Die Qual der Wahl

Wie bei jedem Produkt rund um das Baby gibt es zahlreiche Ausführungen von Marken wie Angelcare oder Sangenic, die Vor- und Nachteile haben. Die Beratung im Fachgeschäft ist hilfreich, zielt aber letztlich auf den Verkauf eines möglichst hochpreisigen Artikels ab. Hinweise von Müttern der älteren Generation tragen den neuen Entwicklungen oft nicht Rechnung und beinhalten manchmal ungewünschte Untertöne, wie es denn „früher“ so war. Besonders angenehm ist der Austausch unter „Mitmüttern“, die schließlich in der gleichen Situation sind und sich mit den Tücken des Alltags auskennen. Warum nicht von den positiven und negativen Erfahrungen anderer profitieren und sich informieren? Im Bekanntenkreis, auf dem Spielpatz oder besonders umfangreich im Internet gibt es so viel Hilfestellung von Müttern untereinander. Die Entscheidung kann dir jedoch letzten Endes keiner abnehmen. Aber nur Mut, niemand ist vor Fehlkäufen sicher. Schon bald bist du selbst eine mit allen Wassern gewaschene Mutter, die problemlos zu der ganzen Welt zwischen Milchpumpen, Folgenahrung, Schnullergrößen, Zahngel und Popo-Cremes Tipps geben und Tricks verraten kann. Es ist erstaunlich, wie schnell du zum Profi in unzähligen Bereichen wirst.

Aber zurück zum Windeleimer: Was soll hinein? Ist die erste Frage. Stoff- oder Einmalwindeln? Ist das schon geklärt? Bei Stoffwindeln genügt ein wasserfester Eimer mit Deckel. Er wird mit großer Wahrscheinlichkeit eher im Bad (vielleicht sogar direkt neben der hoffentlich gut funktionierenden Waschmaschine) als in einem Wohnraum oder Schlafzimmer seinen Platz finden. Verschiedene Farben stehen zur Auswahl. Schlichtes Weiß und Dunkelblau scheinen besonders beliebt zu sein. Wer will und Zeit hat, kann selbst mit Malkünsten oder Aufklebern Hand anlegen. Wichtig ist aber, dass alle Verschönerungen auch kräftiges Abwischen und Auswaschen nicht übel nehmen. Es gibt an vielen Orten auch einen Hol-, Wasch- und Bringdienst für Babywindeln aus Stoff. Wer einen solchen Service in Anspruch nimmt, bekommt oft einen im festgelegten Rhythmus abgeholten Windeleimer vom Unternehmen gestellt. Wie bei allen Dingen gibt es gute Gründe dafür und dagegen. Du solltest nach deinem persönlichem Gefühl entscheiden, ob diese Variante für dich in Frage kommt.

Bei der Verwendung von Einmalwindeln ist die Bandbreite an angebotenen Windeleimern größer. Natürlich reicht auch hier die einfache Variante: Plastikeimer mit Deckel. Wenn du aber schon einmal versehentlich tief eingeatmet hat, als du solch einen Eimer geöffnet hast, wirst du dir ein luftdicht schließendes Exemplar wünschen. Verschiedene Firmen bieten unterschiedliche Systeme an, die meistens darauf beruhen, dass jede Windel einzeln verpackt wird. Dazu wird ein in einer Kartusche zusammengeraffter Tütenschlauch nach jedem in den Eimer gefüllten Windelpaket auf die eine oder andere Art verzwirbelt. Mal geht die Windel durch zwei Klappen wie durch eine Schleuse, mal dreht der Wickelnde ein Rad. Zum Glück sind alle Systeme mit einer Hand bedienbar. Das ist wichtig, da ja immer eine Hand am auf dem Wickeltisch liegenden Kind bleiben muss.

Windeleimer Test – Funktioniert’s?

Das richtige Wirken der Windeleimer geht nur bei richtiger Bedienung. Daran scheitert es oft an öffentlichen Wickelplätzen – auch bei fortschrittlichen Windeleimern. Vielleicht sollte noch jemand ein spezielles Windeleimerdeo erfinden… Bei ausschließlicher Eigenbenutzung zuhause wird die Geruchsbelästigung wirklich sehr reduziert. Häufig sind die Tüten zusätzlich mit geruchshemmenden Mitteln behandelt. Dadurch entwickeln sie jedoch einen gewissen chemischen Eigengeruch, der nicht jedem angenehm ist und auch die Frage nach gesundheitlichen Folgen der Ausdünstungen aufwirft. Ein großer Nachteil der Windeleimersysteme ist nicht der Anschaffungspreis (ab ca. 20 Euro), sondern sind ihre Folgekosten. Die Tütenkartuschen kosten teils um die 8 Euro. Für – letztlich – Mülltüten ein stolzer Preis. Senken kannst du die Kosten wirklich deutlich, indem du Nachfüllfolie kaufst und sie selbst in die aufbewahrten Originalkartuschen beförderst. Das funktioniert ziemlich gut, ist aber lästig und nicht die Art von Beschäftigung, die du im Zustand akuten Schlafmangels gerne machst. Außerdem sind ja immer dann alle Vorratskartuschen leer, wenn man sie wirklich braucht…

Ein anderer Gesichtspunkt, zu dem jeder eine eigene Meinung hat, ist das Theme Müllvermeidung. Dazu trägt ein Windeleimer mit Kartuschensystem eindeutig nicht bei. Diese Frage läßt sich beim Thema Babyhygiene nicht zufrieden stellend klären. Schließlich ist auch die Diskussion über Pro und Contra Stoffwindeln und Einmalwindeln unter Umweltgesichtspunkten nach wie vor unentschieden. Jeder Wickler muss selbst überlegen, wieviel Komfort sein muss. Spätestens nach Phasen mit halbstündigem Wickeln bei der ersten Magen-Darm-Grippe erhält das Eindämmen von üblen Gerüchen eine erstaunlich hohe Priorität.

Aber Not macht erfinderisch. Bei niedrigen Außentemperaturen eignen sich Balkone und äußere Fensterbretter (Vorsicht bei Wind!) bestens zur vorübergehenden Windelaufbewahrung. Andere trösten sich mit „jeder Gang macht Schlank“, wenn der Weg zur Mülltonne mal wieder nötig ist. Denn geleert werden muss jeder Windeleimer, ganz gleichgültig, wie viele Genies am Geruchsvermeidungssystem getüftelt haben. Was voll ist, ist voll.





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